Ein rotes Band und 100 Jahre Karawankengrenze

    Autor BOJAN WAKOUNIG

Vor hundert Jahre riss die neue Staatsgrenze eine tiefe Schneise in die slowenischsprachige Bevölkerung beiderseits der Karawanken. Noch einschneidender als die Grenze in den Bergen war die Trennlinie zwischen den Menschen. Der slowenische Kulturverein Rož in St. Jakob im Rosental regt mit dem aktuellen Projekt Hranca_Grenz (Hranca ist der Rosentaler-slowenische Dialektausdruck für Grenze) zum Nachdenken über die Grenze an – über jene in den Köpfen. Von St. Peter bis hin nach St. Jakob zieht sich über Häuser, die Kirche und Wiesen ein rund eineinhalb Meter breites rotes Band als Symbol für die Grenze. Nach den Worten des Projektinitiators Marjan Štikar will der Verein Rož mit der roten Grenzlinie darauf hinweisen, dass trotz aller Beteuerungen, der Kärntner Nationalkonflikt sei überwunden, das Zusammenleben ausgezeichnet und die Idee eines gemeinsamen Kärntens ohne Grenzen habe gesiegt, „die Grenze nie verschwunden ist, die Konflikte bestehen weiterhin. Auch in den kleinsten Zellen, den Familien, wo ein Elternteil mit den Kindern slowenisch reden möchte, der andere dies aber nicht zulässt.“ Es geht um Vorurteile, um Grenzen in den Köpfen, nicht so sehr oder gar nicht um politische oder geografische Grenzen, obwohl auch diese die Grenzen zwischen den Menschen vertiefen. „Interessant ist, was alles die Leute interpretieren. Es ist mir eine Genugtuung, dass das Projekt viel mehr ins Rollen gebracht hat als ich mir das je erwartet hätte“, sagt Štikar über die Initiative, die heuer am 8. Mai, dem Jahrestag des Sieges über den Nationalsozialismus, begann. Beendet wird das Projekt am 26. Oktober mi einem symbolischen Niederreißen der Grenze vor dem St. Jakober Pfarrhof, der mit seinem Veranstaltungssaal die zentrale Bühne für den Verein Rož darstellt.